Das Nachtwerk, in den 1990er Jahren eine der wichtigsten Konzerthallen Münchens, wird wieder Live-Location. Die CRAFT Veranstaltungs AG öffnet die Hallen an der Landsberger Straße 185, in denen einst Nirvana, Pearl Jam, Soundgarden, Rage Against the Machine und Die Fantastischen Vier spielten, ab Herbst 2026 wieder für Konzerte. Hier ist unsere Geschichte…

Als die Großen noch in kleinen Hallen spielten

1989 öffnete an der Landsberger Straße 185 das Nachtwerk Musiktheater seine Türen.  einer ehemaligen Fabrikationshalle der Roh- und Spiegelglas Verkaufs GmbH entstand ein Ort, der in den folgenden Jahren ein bemerkenswertes Kapitel Münchner Musikgeschichte schreiben sollte.

Das Nachtwerk war keine klassische Konzerthalle. Es war Club, Musiktheater, Fernsehstudio und Treffpunkt zugleich. Vor allem aber war es eine Bühne, auf der Anfang der 1990er Jahre einige Bands standen, die wenig später zu den größten Namen ihrer Generation gehören sollten.

Schon früh wurde klar, dass es musikalisch nicht unbedingt um den Mainstream ging. Im April 1990 standen Soundgarden auf der Bühne, damals noch weit entfernt von dem weltweiten Erfolg, den die Band wenige Jahre später mit Superunknown erreichen sollte. Nur wenige Wochen später folgten Faith No More, im Juli Bad Religion. Alternative Rock, Punk und die härteren Spielarten der Rockmusik hatten im Nachtwerk ein Zuhause gefunden.

Und dann kam der 13. November 1991.

Sieben Wochen zuvor hatte eine Band aus Seattle ihr zweites Album veröffentlicht. Es hieß Nevermind, die Band Nirvana – und noch war kaum abzusehen, was in den folgenden Monaten passieren würde.

Auf ihrer Europatour kamen Kurt Cobain, Krist Novoselic und Dave Grohl nach München und spielten im Nachtwerk. Auf der Setlist standen unter anderem „Drain You“, „School“, „Lithium“, „Come As You Are“, „Smells Like Teen Spirit“ und „Territorial Pissings“.

Hier standen Bands auf der Bühne, während sie gerade dabei waren, Musikgeschichte zu schreiben.

Zu dieser Zeit war das Nachtwerk längst mehr als eine Konzertlocation. 1991 zog auch eine der bekanntesten Jugendsendungen des Bayerischen Rundfunks in die Halle an der Landsberger Straße. Aus „Live aus dem Alabama“ wurde folgerichtig „Live aus dem Nachtwerk“. Bis 1994 wurde von hier gesendet. Live-Musik traf auf Diskussionen über Politik, Kultur und gesellschaftliche Themen – und das Nachtwerk wurde regelmäßig zum Fernsehstudio.

Musikalisch wurde es währenddessen immer spannender.

Am 13. März 1992 spielte Pearl Jam im Nachtwerk das Abschlusskonzert ihrer ersten Europatournee. Rund 900 Menschen erlebten eine Band, die gerade begann, international durchzustarten. Ihr Debütalbum Ten spielten Pearl Jam an diesem Abend vollständig und in der Reihenfolge des Albums. Nur drei Tage später entstand in New York ihr heute legendärer Auftritt für MTV Unplugged.

Gerade einmal neun Tage nach Pearl Jam standen erneut Soundgarden im Nachtwerk. Und im Oktober kam die nächste Band, die kurz darauf weltbekannt werden sollte: Rage Against the Machine. Als sie am 20. Oktober 1992 im Nachtwerk spielten, war ihr selbstbetiteltes Debütalbum noch nicht einmal erschienen. Es kam erst zwei Wochen später auf den Markt.

Allein diese wenigen Monate lesen sich heute wie ein „Who is Who“ einer ganzen musikalischen Generation.

Und es ging weiter. Im Februar 1993 kamen Alice in Chains gemeinsam mit den Screaming Trees nach München. Dirt war wenige Monate zuvor erschienen, und mit Songs wie „Would?“, „Rooster“, „Them Bones“ und „Man in the Box“ gehörte die Band bereits zu den wichtigsten Vertretern des neuen Sounds aus Seattle.

Das Nachtwerk beschränkte sich dabei nie auf ein einziges Genre. Im Dezember desselben Jahres brachte Jamiroquai mit seinem gerade erschienenen Debüt Emergency on Planet Earth Acid Jazz und Funk in die Halle. 1994 folgten unter anderem die Smashing Pumpkins. Das Nachtwerk war Rockclub, Punkbühne, Alternative-Location und immer wieder ein Ort für Künstler, die sich musikalisch nur schwer in eine Schublade stecken ließen.

Auch deutschsprachige Musikgeschichte fand ihren Weg ins Nachtwerk. Mit den Fantastischen Vier stand eine Band auf der Bühne, die Anfang der 1990er Jahre gerade dabei war, Hip-Hop in Deutschland aus der Nische zu holen. Smudo, Thomas D, Michi Beck und And.Ypsilon gehörten damals zu einer jungen Szene, die mit deutschsprachigem Rap etwas versuchte, das im etablierten Musikgeschäft noch längst nicht selbstverständlich war.

Am 3. November 1992 standen Die Fantastischen Vier im Nachtwerk. Gerade mit „Die da!?“ und ihrem zweiten Album 4 gewinnt gelang den vier Stuttgartern in diesem Jahr der große Durchbruch. Deutschsprachiger Hip-Hop war dabei, vom Underground im Mainstream anzukommen – und Smudo, Thomas D, Michi Beck und And.Ypsilon gehörten zu denjenigen, die diesen Wandel entscheidend prägten. Genau darin lag ein Teil des besonderen Charakters des alten Nachtwerks. Die Halle war nicht riesig – und gerade deshalb entstanden dort Konzerterlebnisse, die heute kaum noch vorstellbar sind. Zwischen Publikum und Künstler lagen keine Stadien, Videowände und hundert Meter Entfernung. Viele der Bands waren selbst noch auf dem Weg nach oben.

Bis zum Ende der 1990er Jahre blieb das Nachtwerk eine feste Adresse für Live-Musik in München. Danach begann sich der Charakter des Hauses zu verändern. Klassische Bandkonzerte wurden seltener, elektronische Musik und Clubkultur rückten stärker in den Mittelpunkt. Veranstaltungsreihen wie Electric Delicate brachten DJs und Live-Acts wie Chris Liebing, Monika Kruse, Pascal F.E.O.S., Steve Rachmad, Thomas Schumacher oder Thomas P. Heckmann ins Nachtwerk.

Die Musik hatte sich verändert – der Grundgedanke nicht. Die alte Industriehalle blieb ein Ort für Nächte, die ein bisschen anders waren als anderswo.

2005 kam schließlich der große Einschnitt. Der damalige Betrieb endete am 1. Mai 2005, das Nachtwerk wurde geschlossen und die Halle umfassend umgebaut. Bereits im Juni 2005 beantragte die CRAFT Veranstaltungs AG die Erlaubnis für den zukünftigen Betrieb. Mehr als eine Million Euro wurden in die Modernisierung der ehemaligen Industriehalle und ihre technische Infrastruktur investiert.

Im April 2006 öffneten sich die Türen wieder.

Damit begann ein neues Kapitel für einen Ort, dessen Wände zu diesem Zeitpunkt bereits erstaunlich viel Musikgeschichte erlebt hatten.

Soundgarden. Faith No More. Bad Religion. Nirvana. Pearl Jam. Rage Against the Machine. Alice in Chains. Jamiroquai. Smashing Pumpkins, Die Fantastischen Vier:

Viele dieser Namen füllen heute große Hallen oder gehören längst zur Musikgeschichte. Im Nachtwerk standen sie auf einer Bühne, als ihre Geschichte teilweise gerade erst begann.

Vielleicht ist das die schönste Art, die ersten Jahre des Nachtwerks zusammenzufassen:

Manche Bands wurden später größer als die Bühne, auf der sie hier gespielt haben. Die Geschichte blieb.

Mit dem Relaunch des Nachtwerks kehrt die Live-Musik an die Landsberger Straße zurück. An einen Ort, an dem schon vor 35 Jahren neue Sounds, denkwürdige Abende und manchmal auch Weltkarrieren ihren Anfang nahmen. Wir freuen uns darauf, die nächsten Kapitel dieser Geschichte gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern, Veranstaltern und unserem Publikum zu schreiben – und vielleicht steht auch diesmal die eine oder andere Band auf unserer Bühne, von der man später sagen wird: „Die habe ich damals noch im Nachtwerk gesehen.“

Anfragen gerne an:

Bild von Dierk Beyer

Dierk Beyer

dierk.beyer@craft-event.de